Eine lobbykritische Stadtführung durch Berlin
Am 04.06.2026 startete für die drei Politikkurse des zwölften Jahrgangs die eintägige Exkursion nach Berlin mit politischen Inhalten. Die dreistündige Busfahrt wurde von manchen Schülern und Schülerinnen zum Schlafen genutzt, während sich andere angeregt unterhielten. Nach einer kurzen Pause, kurz vor Berlin und einer zeitlichen Verzögerung aufgrund von Staus, kamen alle unversehrt in Berlin an. Aufgrund der großen Anzahl der Schüler*innen wurden zwei lobbykritische Stadtführungen durchgeführt. Der Politik Leistungskurs von Frau Buchheister und der Grundkurs von Frau Priesmeyer starteten ihre gemeinsame Tour im Regierungsviertel Berlins zuerst, während der Grundkurs von Herrn Einecke wenig später mit der zweiten Führung startete. Erster Stopp für die Gruppen war ein Gebäude, in dem sich viele Lobbys der Chemieindustrie befinden, wo die Schüler unter anderem die Geschichte der „Plastik-Prinzessin“ zu hören bekamen. Die Geschichte soll bereits Schüler*innen in der ersten Klasse bewusst machen, wie wichtig Plastik ist, damit die Plastikindustrie weiterhin Gewinn machen kann, obwohl Plastik schädlich für die Umwelt ist. Weiter ging es dann zu der „Bierlobby“.
Die Bierlobby profitiert natürlich von dem großen Konsum, den die Deutschen über das Jahr trinken. Insgesamt ergibt das über das gesamte Jahr, auch mit denen die nichts trinken, um die 78 Milliarden Liter für ganz Deutschland. Die deutsche Braugemeinschaft hält auch jedes Jahr ein Fest ab um den/die neue/n Botschafter*in des Bieres zu ernennen. Erstaunlicherweise sind die Botschafter dabei bis jetzt immer ehemalige Minister*innen für Wirtschaft und Gesundheit gewesen. Der nächste Stopp war bei einem Gebäude der CDU, der „Mittelstands- und Wirtschaftsunion“. An dieser Station ging es um einen Skandal, der sich mit einer Spende eines Wählers entwickelt hatte. Dieser Wähler hatte der CDU eine Spende in Höhe von 3 Millionen Euro gespendet und dabei drei Forderungen gestellt. Während sich zwei dieser Bedingungen darum drehten, dass ein Teil des Geldes an Stiftungen gehen, die Kindern in Not helfen, sah die dritte Bedingung vor, dass die CDU diese Spende nutzen sollte, um seine wahren Interessen umzusetzen. Die Lobbycontrol konnte nach langem Hin und Her endlich bewirken, dass diese Spende zurückgezogen wurde. Vorher wurden von dem Spender und der CDU noch verneint, dass bei der Spende Bedingungen gestellt wurden. Der letzte Stopp für die Gruppe von Frau Buchheister und Frau Priesmeyer war am „Otto-Wels Haus“. Unter anderem wurde den Schüler*innen dort erzählt, dass Abgeordnete für Sicherheit in diesem Gebäude nicht untergebracht werden, da sich dieses gegenüber von der Russischen Botschaft befindet und die Angst bestehe, abgehört zu werden. Dies ist ebenfalls ein Grund, weshalb manche Abgeordneten ihre Fenster mit Aluminiumfolie bekleben. Des weiteren erfuhren wir, dass es den Abgeordneten seit ein paar Jahren untersagt sei in einer Lobbyorganisation zu arbeiten. Geplant war zwar noch ein Halt bei einer Sicherheitsbehörde, die wurde jedoch aus zeitlichen Gründen abgesagt. Somit begann für die Schüler*innen die Freizeit, welche von fast allen fürs Mittagessen oder eine kleine Shoppingtour genutzt wurde. Manche sind zu Starbucks oder Dunkin Donuts gegangen und die Lehrer haben einen Kaffee in einem italienischen Restaurant getrunken. Ein paar genossen aber auch die Berliner Atmosphäre oder erkundeten ihnen noch unbekannte Bereiche der Stadt. Um den Tag zu einem gelungenen Abschluss zu bringen, besuchten alle gemeinsam das Holocaust Denkmal neben dem Brandenburger Tor. Wer schon einmal mitten in den 2.711 Säulen auf dem wellenartigen Boden stand, kennt das Gefühl - Unbehagen und völlige Orientierungslosigkeit. Steht man zwischen zwei Säulen, erscheint die Welt um einen herum völlig gedämmt, was eben dieses Unbehagen auslöst. Unter dem Mahnmal befindet sich eine Ausstellung mit den Geschichten der jüdischen Menschen. Genau wie Besuche zu den Konzentrationslagern, wie Auschwitz, ist diese Ausstellung ebenfalls nichts für schwache Nerven. Ein Blick an die Decke verriet, dass die Einkerbungen an der Decke zu den 2.711 Säulen gehören, die über einem stehen. Nach einem kurzen Abschlussfoto vor dem Brandenburger Tor ging es wieder zurück nach Braunschweig. Zum Glück bevor es anfing zu Gewittern!
Alia Paulsen


